Nach Snowden. Nach Jauch. Die neue Debatte.

Es ist ein Gefühl diffuser Unzufriedenheit, das die Diskussion im Studio bei Günter Jauch zum ersten Fernsehinterview von Edward Snowden bei mir hinterlassen hat. Ich fand das Gespräch angenehm, doch hatte das absolute Gefühl, auf der Stelle zu treten. Ich möchte hier einen Finger darauf legen, warum eine Debatte um Geheimdienste, die Zukunft des Internets und der Gesellschaft stagniert und konstruktive Vorschläge darüber machen, wohin wir sie entwickeln könnten. Ich werde mir den Platz nehmen, den ich in einer Talkshow nicht habe.

Vielleicht liegt dies an dem Stil, in dem die deutsche Talkshow funktioniert. Sie setzt auf Konfrontation und kombiniert darum Gäste, die sich möglichst nicht auf die Farbe von Gurken einigen können. Das garantiert einen Schlagabtausch und damit immerhin eine gewisse Mindesunterhaltung. Ist aber keine gute Grundlage, um eine Debatte zielgerichtet von einem Punkt vorwärts zu bewegen.

Im aktuellen Beispiel vertrat Ex-US-Botschafter Kornblum mit Journalisten Reichelt die Ansicht, dass Snowdens Enthüllungen hauptsächlich Schaden anrichten – vor allem für die transatlantischen Beziehungen. Ströbele, Seipel und ich bildeten Team Edward, das vor allem darum bemüht war, wie man den Whistleblower gut schützen und seine Enthüllungen sinnvoll nutzen könne. Beide Diskussionen wären für sich durchaus spannend gewesen, wären sie nur getrennt von einander geführt worden, anstatt sie gladiatorenartig gegen einander zu schmeißen.

Die Talkshow ist hier aber nur ein Symbol des deutschen Diskurses, der oft so polar aufgebaut ist. Sie hat mir sehr klar aufgezeigt, wie sehr die Diskussion von Kalter-Kriegs-Logik verzehrt wird.
Viele Unterstützer von Snowden richten ihre Skepsis einzig und allein gegen die NSA, den amerikanischen Geheimdienst. Seine Gegner – wie etwa Edward Lucas – machen eine Dichotomie zwischen bösen russisch-chinesischen Interessen und den USA auf – „dem Vaterland des Internets“. Auch andere Talkshows wie Maybritt Illner (Thema „Digitale Besatzungsmacht – müssen wir uns vor den USA schützen?“) zeichnen hauptsächlich das Narrativ von verbündeten und verfeindeten und sich plötzlich misstrauenden Nationalstaaten.

Die Sache ist aber, dass der kalte Krieg vorbei ist. Die Paradigmen rund um Geheimdienste haben sich stark verändert. Erstens haben wir durch neue Technologie die Möglichkeit einer vergleichsweise unaufwändigen, flächendeckenden Totalüberwachung noch so unverdächtiger Menschen. Zweitens tauschen sich die Geheimdienste unter einander aus, sodass es passiert, dass Auslandsgeheimdienste die Daten ihrer eigenen Bürger erhalten.
Die potentiellen Ziele sind nicht mehr so leicht in Nationalstaaten zu unterteilen. Der diffuse Begriff des Terrorismus erlaubt es Auslandsgeheimdiensten, alles und jeden unter Verdacht zu nehmen. Potentielle Ziele haben nichts mehr mit Nationalgrenzen zu tun.

Ich würde also ungern von den Akteuren Deutschland, USA, Russland sprechen, sondern neue einführen. Die neuen Akteure sind Gesellschaften, Staaten und Geheimdienste.

Die Hauptfrage, die Snowdens Informationen hauptsächlich aufwerfen, ist meiner Meinung nach nicht „Können wir den USA noch vertrauen?“, sondern: „Haben Gesellschaften wirklich noch die Möglichkeit, sich vor ihren eigenen und anderen Staaten zu schützen?“.
Klar, der Staat soll uns schützen. Aber wir müssen auch die Möglichkeit haben, uns vor dem Staat zu schützen, sollte dieser sich selbst ermächtigen und über uns erheben. Diese Überlegungen haben wir an oberster Stelle im Grundgesetz festgehalten. Wir haben durch viele dunkle Perioden der Geschichte gelernt, warum das so wichtig ist. Das trifft übrigens genau so auf Amerikaner zu.

Das Problem ist nicht, dass die bösen USA das arme Deutschland ausspähen. Das Problem ist, dass ich, die ich mich in nichts verdächtig gemacht habe, einen Peilsender an mir habe. Es wird aufgezeichnet, wann ich wo bin, mit wem ich telefoniere und schreibe, was ich kaufe und so weiter. Es ist mir auch völlig egal ob das der BND aufzeichnet oder die die NSA, die es dann an französische Geheimdienste weiterleitet, die das widerum an den BND überstellen könnten. Es ist mir auch egal, ob Menschen tatsächlich Einsicht in diese Daten nehmen. Ich werde überwacht. Alle werden überwacht. Wir werden alle als potentielle Terroristen, nicht als Bürger, behandelt. DAS ist, was Snowden bewiesen hat. Das widerspricht jedem rechtstaatlichen Prinzip, wo normalerweise ein Richter auf einen Verdacht hin eine Durchsuchung bei mir anordnen müsste. Das wird einfach übergangen. Wir wissen nicht genau, von wem. Oder in welchem Maß. Wir wissen eigentlich fast gar nichts. An dieser Stelle können wir nicht mal sicher sein, dass die Geheimdienste dem Rest des Staatsapparats gegenüber ehrlich sind. Es ist nicht überprüfbar. Und hier müssen wir uns ganz ernsthaft die Frage stellen, wie vereinbar solche Organisationen mit dem Gedanken demokratischer Staaten sind.

Die Existenz von Geheimdiensten wird mit einem Satz rechtfertigt, den Reichelt in der Talkshow gesagt hat. Regierungen spionieren nun mal andere Regierungen aus. Das ist normal, das wusste Merkel auch schon immer und es ist gewissermaßen eine Ebene der internationalen Kommunikation. Was Regierugnen aber unter einander tun, können sie wegen meiner unter sich ausmachen. Aber als nicht gewählter, nicht verdächtiger Mensch habe ich das Recht auf Privatssphäre. Die neue Erkenntnis ist gerade nicht, dass Merkel überwacht wird. Die Erkenntnis ist, dass ihr es werdet.

Die Gesellschaften müssen sich also vor den Staaten schützen können, die widerum zu diesem Ziel einen Umgang mit ihren Geheimdiensten finden müssen. So sehe ich das Geflecht.

Was können wir tun?

Tacheles, konkrete Schritte jetzt. Wir haben neue Technologie. Was nu?

Ich schlage drei Schritte vor.

1. (kurzfristig) Was jeder tun kann. Wir können Spionage teurer und damit unattraktiver machen, indem wir unsere Daten und Kommunikation verschlüsseln. Wir können an besserer, leichter bedienbarer Verschlüsselungssoftware arbeiten und die gute, die es bereits gibt, verbreiten und beibringen.
Wir können Projekte wie Freifunk ausbauen, um stellenweise parallele, dezentrale Netzinfrastrukturen zu bauen.
Wir müssen uns gegenseitig bilden. Wir werden uns nur selbst schützen und gewissenhaft handeln können, wenn wir verstehen, was eigentlich Daten sind, was technisch möglich ist, wie wir sinnvoll verschlüsseln können und so weiter.

2. (langfristig) Auf politischer Ebene müssen wir im Angesicht neuer Technologie neue Regeln beschließen, was mir damit machen dürfen, und was nicht. Und da dies eine internationale Geschichte ist, brauchen wir internationale Verträge. Wir müssen sie aber so gestalten, dass ihre Einhaltung auch überprüfbar ist. Wo wir wieder an die Frage der Umgestaltung oder der Abschaffung der Geheimdienste stoßen.

Ein Gedanke, den Kornblum bei Jauch formuliert hat, war richtig. Im Prinzip hat er gesagt: „Ihr könnt euch ja aufregen, so viel ihr wollt, aber wir werden nun mal tun, was wir tun.“ Das ist das Problem. Appelle werden keine Wirkung zeigen. Erst recht nicht einfach Appelle an die USA. Die USA sind nicht der Feind. Die Zivilgesellschaft in den Staaten gehört sogar zu unseren Verbündeten, im Streben, uns vor Staaten schützen zu können. Unser Feind ist der menschliche Drang, einen möglichst gründlichen Job zu machen und darum alle Daten zu sammeln, an die man kommt – auch wenn der daraus entstehende gesellschaftliche Schaden weit größer ist, als der Nutzen.

Und falls noch irgendjemand da draußen denkt: „Ich habe nichts zu verbergen“ – meine ukrainische Großmutter hatte nichts zu verbergen. Niemand interessierte sich für sie, niemand hätte ihre Briefe gelesen. Und nun findet sie sich aktiv in der Mitte einer Revolution, an deren Ende Gott-weiß-wer an der Regierung sein wird. Ich will keineswegs zu Panik aufrufen. Ganz ruhig, ganz nüchtern, müsst ihr euch nur die Frage stellen: Was macht euch sicher?

Lasst uns diese Debatte weg von den Verflechtungen vergangner Zeiten auf die Herausfoderungen der Zukunft lenken.

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Ich habe in diesem Blog regelmäßig viele Besucher. Endlich habe ich es geschafft, mir eine Plattform für meine vielen Veröffentlichungen zu bauen, wie ich sie haben wollte. Alle Artikel, Bilder und Inhalte dieses Blogs, und viel mehr, findet ihr ab jetzt unter

marinaslied.de

Zum Auftakt habe ich auch das erste Posting veröffentlicht, das hier nicht zu finden sein wird, nämlich eines über die Liebe zu Daten, Wahrheit und Privatssphäre.

Bitte besucht mich auch auf der neuen Seite regelmäßig, schaut euch meine Bilder in der Galerie an und kommentiert.
Dieser Blog wird ab heute nicht mehr aktualisiert werden.

Eure Marina

Das Erbe der Querdenker, oder: Wie eine Gruppe funktionieren kann.

Ich will hier einige sehr interessante Gespräche auf einen Punkt bringen, die ich mit verschiedenen, klugen Leuten auf dem Landesparteitag der Piraten NRW in Gelsenkirchen am gestrigen Tage geführt habe.

Zunächst muss ich voranstellen, dass mir die Veranstaltung sehr gefallen hat, da ich meinte, eine Atmosphäre der Hoffnung und der Zukunftsgewandtheit vernommen zu haben. Natürlich gab es hier und da ein wenig altes, böses Blut; Spuren von vergangenem Streit. Allerdings sprachen sich alle gleich aus: Wir müssen die Strukturdebatte hinter uns lassen und uns neuen Themen zuwenden. Wir müssen uns inhaltlich politisch beschäftigen, wir müssen umsetzen, woran wir glauben und warum wir eigentlich alle hier sind. Ich denke, das wird auch funktionieren.

Wenn ich ein Hindernis sehe, dann ist es eine Frage der Kultur, die in der ganzen Partei bundesweit in etwa ähnlich ist. Nämlich die Kultur des Mitdenkens. Das klingt furchtbar ironisch, dass ich das als Problem beschreibe, aber ich versuche es mal mit einer Analyse.

In der Piratenpartei sind Menschen versammelt, die alte Formen der Politik ablehnen und nach Neuem suchen. Es sind generell natürlich gesellschaftlich unzufriedene Leute, größtenteils intelligente und fast immer auch frei denkende Leute. Das sind Leute, die ihre eigene Meinung bilden und sich nicht von einem Herdentrieb leiten lassen. Hier liegen unsere großen Stärken. Aber auch unsere größten Schwächen.

Politik machen, heißt zum großen Teil Entscheidungen treffen. Wenn man eine Entscheidung trifft, nimmt man eine Alternative an und verwirft diverse andere. In einer Demokratie nimmt man die Alternative an, die die meisten Menschen annehmen wollen. An dieser Stelle geht in der Demokratie der Piratenpartei der Prozess aber erst los. Eine Mehrheit ist eben nie eine Ganzheit und es gibt immer Leute, die anderer Meinung sind. Das Schlimme an den Piraten ist ja, dass ihre andere Meinung zumeist auch fundiert ist. Wenn sie gegen etwas sind, dann aus Überzeugung und aus guten Gründen. Diese Gründe werden sie nicht müde, in die Debatte einzuwerfen, bis sie sie wenden. Wenn beide Seiten gute Gründe haben, feuern sie so lange aufeinander, bis ihre Meinung die der anderen verdrängt hat. Was fast nie passiert. Das Ergebnis ist, dass die Entscheidungsfindung lange dauert, am Ende gewinnt manchmal eine Seite, die andere lässt das Thema aber nie liegen. Weil wir zugleich sehr transparent sind, sieht die Presse nur, dass wir internen Streit haben. Um ein weiteres Thema.
Ich merke natürlich an, dass es sich hier um den worst case handelt, aber wir alle haben diesen Verlauf mehr als einmal beobachtet. Ich verweise hier auf die Liquid-Feedback-Debatte.

Aber was ist die Alternative? Wir folgen dem Beispiel anderer… Vereinigungen. Wir setzen ein paar kluge Leute in die Vorstände und die entscheiden Dinge. Und wenn sie fertig sind, hören wir uns ihren Beschluss an und setzen ihn um. So eine Partei funktioniert ziemlich reibungslos, die Entscheidungen sind schnell getroffen, und oft nichtmal schlecht. Gut, mit Demokratie hat das jetzt eher weniger zu tun.

Meiner Meinung nach ist ein gelungener Entscheidungsfindungsprozess ein Mittelding aus beiden Wegen. So weh es mir tut, das zu schreiben, aber in einer Gesellschaft ist eine Entscheidung auch immer die Entscheidung über einige Köpfe hinweg.  Einzelne Meinungen müssen im Alltag ständig übergangen werden. Entweder, weil sie nicht praktikabel sind, oder weil sie nicht ausgereift sind, weil sie schlechter sind, als ihre Alternativen, oder einfach nur, weil man in irgendeine Richtung gehen muss und die Mehrheit in eine bestimmte will.

Wie bleibt dabei die Vielschichtigkeit und Diversität der Piratenpartei eine Stärke? Wie bleiben dabei die Prinzipien dieser sehr flachen Demokratie unbeschadet?
Nun, vor der Entscheidungsfindung ist es an genau diesen Querdenkern, ihre Meinung zu vertreten. Das ist unentbehrlich wichtig. Einige wenige könnten recht haben, während die Mehrheit sich schlicht irrt. Dafür müssen sie öffentlich und schlüssig argumentieren. Über Artikel, Reden, ja, bishin zu Workshops bei komplizierten Themen. An den Querdenkern ist es, alle Mühe aufzuwenden und ihr ganzes argumentatives Pulver zu verschießen und dann zu schauen, was danach übrig bleibt. Entweder sie überzeugen die Mehrheit und behalten recht. Oder sie können die Mehrheit nicht überzeugen. Egal. Am Ende wird abgestimmt. Sei es ein Kreis- ein Landes- oder ein Bundesparteitag, oder auch nur, wo wir zu Mittag essen. Und danach muss der jeweilige Vorstand greifen. Er muss klar zeigen, dass die Entscheidung getroffen ist, und sie einig durchsetzen. Und der gescheiterte Querdenker, der (subjektiv) ja immernoch recht hat? Der muss sich an dieser Stelle anders verhalten, als bisher oft beobachtet. Ich appelliere hier einfach an menschliche Vernunft. Diese Entscheidung zu revidieren, auf einem gescheiterten Punkt herumzureiten wie auf einem toten Pferd, scheint mir einfach nicht der gangbare Weg zu sein.
Die Entscheidung zu akzeptieren und darüber nachzudenken, wie man sie in sein Konzept von Politik einbauen kann… inhaltlich weiterzuarbeiten, um seiner Vorstellung gerecht zu werden… das scheint sinnvoller.

Ich will eigentlich keine kontroversen Themen anschneiden an dieser Stelle, um nicht vom eigentlichen Inhalt abzulenken, aber das Beispiel kommt mir gerade gelegen. Kernis versus Vollies. Jene, die denken, wir sollten die Themen der Partei auffächern, gegen jene, die finden, wir sollten unseren Wurzeln und unserem Spezialgebiet treu bleiben. Angenommen, Du bist ein Back-to-the-Roots-Pirat und möchtest da arbeiten, wo Du die Stärken der Partei siehst: Internet, Transparenz, Datenschutz… Plötzlich entscheidet ein Bundesparteitag über Erweiterung der Themen. Die Medien nennen Dich „Sozialpartei“. Du bist unzufrieden.
Nach dem Vorschlag, den ich mache, schreibst Du nun keine wütenden Blogeinträge, sondern Du lächelst und nimmst die Entscheidung hin. Und dann beginnt die Arbeit. Deine Aufgabe in diesem Beispiel ist, Workshops und Kurse interner politischer Bildung zu geben in den Kernthemen. Positionspapiere zu verfassen. Vielleicht einen Netzkongress für auswärtige Besucher zu veranstalten. Datenschutzromane promoten. Also im Wesentlichen dafür sorgen, dass jemand anders sich vielleicht um soziale Themen kümmern mag, die Piratenpartei aber dennoch mit ihren Kernthemen stark und in der Presse präsent bleibt.

Auf diese Weise untergräbt man nicht die Entscheidung, man stellt sich nicht gegen sie, arbeitet aber dennoch in eine Richtung, die man für richtig hält. Ich denke, in den meisten Situationen lassen sich solche Auswege mit etwas Kreativität finden. Das wichtigste dabei bleibt der Gedanke, dass man sich freiwillig einer Gruppe angeschlossen hat und Entscheidungen eben in der Gruppe getroffen werden. Akzeptanz hierfür ist der höchste Beweis der Fähigkeit, in einer Gesellschaft zu funktionieren und in einem Team zu arbeiten.

Wenn ich an alle Piraten eine Bitte formulieren würde, klänge sie in etwa so:

Bitte. Macht es euren Vorständen nicht schwer. Sie reißen sich den Hintern auf, um allen gerecht zu werden, sogar wenn das oft nicht so aussieht. Greift nicht eure eigenen Mitstreiter an. Schimpft nicht auf sie. Lästert nicht. Auch wenn ihr wütend seid. Sondern leistet euren Beitrag, damit Entscheidungen nach möglichst rationalen, objektiven und demokratischen Kriterien getroffen werden.

P.S.: Ich will in diesem Artikel wieder nur Gedankenanstöße geben und Gespräche reflektieren, die ich geführt habe. Ich bin über jede Berichtigung oder Ergänzung meiner Standpunkte dankbar und hoffe auf Feedback dazu. Ich bin daran interessiert, wie eine Gruppe funktionieren kann und habe die Antwort selbst natürlich auch nicht gefunden. Also bitte scheut nicht mit unterstützdenden oder widersprechenden Kommentaren.

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Ich muss einmal wieder politisch werden.

In letzter Zeit habe ich viele politikwissenschaftliche Artikel gelesen, einerseits, und viele interne Diskussionen in der Piratenpartei verfolgt andererseits. Dabei ist mir eine Sache aufgegangen, die ich für den Erfolg der Partei mitmal unumstößlich finde.

Beginnen wir mal am Anfang. Warum will ich überhaupt, dass die Partei Erfolg hat? In einer Zeit, in der das generelle soziale Denken der Menschen eine Revolution erlebt – nicht nur, aber auch durch das Internet – scheint die Piratenpartei die einzige Partei zu sein, die bereits in ihren inneren Struktur den Kern dieser Veränderung angelegt hat. Alle Revolutionen, die zur Zeit in der arabischen Welt passieren, der Skandal um Wikileaks, um Stuttgart 21, ja bereits die Schaffung des „Web 2.0“ (ja, ich erwähne das noch)… das fügt sich alles in ein Bild: Information lässt sich nicht mehr verbergen, und plötzlich bekommt die Wahrheit wieder einen hohen und zentralen Stellenwert in der Gesellschaft.
Ich muss nicht einmal bewerten, ob das gut oder schlecht ist. Es ist einfach so.
Politik, die sich darauf konzentriert hat, ein gutes Bild zu vermitteln und die Massen zu kontrollieren, scheint zunehmend zu scheitern. In der Piratenpartei sind die Strukturen von Transparenz und Mitsprache tief verankert. Ich bin der Überzeugung, dass nur eine solche Partei Antworten auf die Fragen haben wird, die sich in Zukunft allen stellen werden. Mit einigen davon habe ich mich bereits in früheren Artikeln beschäftigt und gehe hier nicht mehr darauf ein.

Zwei Schiffe

Zurück zum Thema: Ich will also, dass die Piraten Erfolg haben. Aber im Moment schippern wir noch immer ganz unten in den Prozentzahlen. Ich will auf keinem Fall schlechte Stimmung machen. Aber unser Ruf könnte besser sein.
Ich denke, das zentrale Problem, das die Piraten haben, ist, dass sie zwei große Aufgaben gleichzeitig bewältigen.
Jede politische Bewegung lässt sich in mehrere Phasen unterteilen:

1. Ideenfindung
Dass ein paar Gleichgesinnte sich zusammengefunden haben, bedeutet noch nicht, dass sie wirklich gleich denken. Sie sind sich oft über konkretere Ziele uneinig, und noch uneiniger über die Methode, wie sie dort hin gelangen. Je mehr Mitspracherecht jeder hat, desto länger dauert der Einigungsprozess, bis sie ein Programm haben, mit dem sie auftreten können.

2. Werbung
Jetzt geht es darum, die Menschen emotional zu gewinnen. Inhalte sind schön und gut, aber zu wirklicher Veränderung führt nur, wenn Menschen mit Emotionen an inhaltliche Ideen glauben. Gerade für eine neue Partei ist hierbei ein gewisses Begeisterungsmoment wichtig. Hier gilt es, mit voller Kraft in eine Richtung zu schießen. In die Richtung, möglichst, an die man selbst innig glaubt.

3. Machtausübung
Hat man Macht gewonnen, kann man seine Ideen umsetzen. Dafür braucht es Entschlossenheit und Verstand. Aber auf diese dritte Stufe will ich nicht weiter eingehen, denn das ist sozusagen noch Zukunftsmusik.

Wichtig ist:
Die Piraten befinden sich im Moment gleichzeitig in Stufe 1 und 2. Einerseits machen wir Infostände und Wahlwerbung, versuchen wir zu überzeugen, arbeiten entschlossen daran, vorwärts zu kommen. Andererseits streiten wir uns noch immer darum, wo vorwärts eigentlich liegt.
Und genau hier ist das Problem. Mit dem plötzlichen Erfolg der Europawahl haben wir uns in eine Stufe katapultiert, für die wir möglicherweise noch gar nicht reif sind. Denn unsere Entscheidungsprozesse dauern dank Transparenz und Mitbestimmung eben recht lang. Mitglieder müssen wütend werden und austreten, andere müssen Hoffnung schöpfen und eintreten. Es muss Shitstorms geben und dann müssen wir noch lernen, ohne Shitstorms auszukommen.
Gleichzeitig müssen wir aber bereits nach außen repräsentativ sein, eine Partei, die man wählen kann.

Nun, wir machen unseren Wählern nichts vor. Wir stehen ja selbst für Transparenz. Also sehen sie all die Prozesse, die im Inneren so hässlich aussehen. Und das bremst aus. Was sie natürlich oft nicht verstehen, ist, dass das, was sie sehen, einfach nur die Wahrheit ist. So hässlich er auch sein mag, ist es ein guter und ein wichtiger Prozess. Und dass er stattfindet, spricht für die Partei. Das heißt, Ideen werden tatsächlich diskutiert, analysiert, kritisiert, optimiert. Es findet echte Arbeit am Fundament statt. Statt leerer Phrasen.

Nägel mit Köpfen

Die Frage ist, wie wir aus diesem Dilemma herauskommen. Ich habe neulich in einem interessanten Guess Damen Footwear Dress Decollete Plateaupumps Schwarz den Vorwurf gelesen, dass die Piratenpartei bewusst auf „große Köpfe“ verzichte, der Wähler aber Köpfe brauche, die er mit Themen verbinden kann.
Wenn man im Moment „Piratenpartei“ hört, denkt man, wenn man schlechter informiert ist an „Internetpartei“, wenn man besser informiert ist, denkt man an ein Kuddelmuddel von Nicknames und Meinungen, an Programmfetzen und, achja, da war dieser Tauss.
Tatsache ist übrigens, dass Tauss, unser vielleicht prominentestes Mitglied, sich mit seiner Geschichte besser ins Wählergedächtnis eingebrannt hat, als der Großteil unseres Programms.  So ein Effekt ist schädlich, aber er kann auch zum Positiven genutzt werden.

Ich schlage Folgendes vor: Wir haben ein paar Punkte, über die wir uns einig sind. Punkte, die zukunftsweisend sind. Über die in der Piratenpartei großer Konsens herrscht. Wir haben auch einige charismatische Mitglieder, die Dinge verkaufen können. Tun wir das eine und das andere zusammen. Ich spreche davon, einen Teil von den anderen Parteien abzuschneiden: Wert auf die Kleidung zu legen, auf häufigen Pressekontakt und auf die ständige Wiederholung dieser Punkte, Themen und Ideen.

Ist das politische Prostitution? Nein. Das ist eine eigene Sprache. Eine Sprache, derer man sich bedienen muss, um gerade nicht falsch verstanden zu werden. Natürlich kann man sagen, dass ein Verkäufer, wenn er gute Ware verkauft, auch aussehen kann, wie der hinterletzte Schmock. Es geht ja schließlich um die Ware. Dennoch kleidet sich der Verkäufer gut und lächelt geschäftlich, denn sonst würde nie jemand erfahren, dass die Ware gut ist. Natürlich kann man sagen, dass wir keine bekannten Gesichter brauchen, weil es uns ja um die Inhalte geht. Aber das Ergebnis ist, dass fast niemand die Inhalte kennt. Prostitution, Betrug und Falschheit ist es, wenn der Inhalt der politischen Themen schlecht oder eigennützig ist. Wenn er das nicht ist, braucht man sich keine Vorwürfe dahingehend zu machen.

Darum verteufelt mich nicht, wenn ich soetwas vorschlage. Es ist als Gedankenanstoß gemeint. Nachdem wir einmal groß waren, fürchte ich, gibt es keinen Weg zurück. Wir können nicht sagen: Danke für die kurze Aufmerksamkeit, wir ziehen uns dann nochmal drei Jahre zurück und tüfteln an unseren internen Strukturen. Jetzt müssen wir mithalten. Aber gerade in der Bereitstellung einer benutzerfreundlichen Oberfläche, also Personalisierung der Partei, sehe ich einen Weg, zurecht zu kommen.

Jetzt fragt mich der aufmerksame Leser wohlmöglich, wie man das umsetzen kann. Man müsste aus unbekannten Gesichtern Bekannte machen. Die Antwort lautet: Ich habe keinen blassen Schimmer.

Aber vielleicht können wir gemeinsam darüber nachdenken. Ihr wisst schon. Mitwirkung.

Zeichensturm

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Kunst passiert phasenweise. Sie hat ihre Ebbe und Flut. Ich kann nur dann zeichnen, wenn ich nicht nicht zeichnen kann. Nach vielen Monaten der Abstinenz hat es mich neulich wieder überflutet. Daraus ist eine Reihe von Bildern entstanden.

Meine Mutter hat mich neulich überrascht. Wir befanden uns eben im Gespräch mit einer Künstlerin, die sich meine Bilder ansah. Sie fragte, warum ich nicht Unterricht nehme und das zu meinem Beruf mache. Meine Mutter sagte: „Sie hat keine Leidenschaft zum Zeichnen.“ Ich drehte mich überrascht um und protestierte: „Aber du weißt doch, dass ich es praktisch in jeder Minute tue, ja, mir geht es sogar schlecht, wenn ich nicht zeichnen kann!“ „Ja“, entgegnete meine weise Mutter: „Aber deine Leidenschaft gilt nicht dem Zeichnen, sondern dem Menschen. Die Zeichnung ist für dich nur ein weiteres Mittel, den Menschen zu verstehen. Wie die Psychologie, die Politik, das Theater und alles, was du machst.“

Das ist überzeugend.

In diesem Sinne: Hier habt ihr  mehr Zeichnungen von Menschen. (Klicken damit groß)
Freundinnen. Dieses Bild hat mich erst wieder zum Zeichnen gebracht. Es war eine Auftragsarbeit für meine Projektpartnerinnen.
Die Herzogin. Mehr oder weniger eine Studie. Ich wollte wissen, wie lebendig ein Gesicht sein kann, wenn man es in ein Setting setzt, in dem das Gesicht in der Kunst klassischerweise hölzern dargestellt wird.
Becca. Dieses und das unterstehende Bild beziehen sich auf einen Charakter, an dem ich für Cthulhu arbeite. Es sind weitestgehend Skizzen. Im Oberen habe ich zum ersten Mal mit Mühe ein Gebäude gezeichnet.

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